Visuelle Kommunikation

Kommunikation ist mehr als zu reden oder zu schreiben. Und Inhalte können wir nicht nur in Textzeichen gepresst vermittelt werden, auch wenn ich genau dies hier gerade tue. Tatsächlich wird die digitale Kommunikation immer stärker von visuellen Inhalten geprägt. Das mag einerseits daran liegen, das entsprechende technische Änderungen, wie das kamerabestückte Smartphone in fast jedermanns Hand, neue Möglichkeiten bieten um visuelle Inhalte ohne viel Aufwand zu schaffen.

Andererseits muss aber auch berücksichtigt werden, dass es der menschlichen Wahrnehmung einfach besser entspricht nicht nur Worte zu lesen, sondern eine Person, beispielsweise bei einem Vortrag, zu sehen und zu hören. Auch können visuelle Inhalte, insbesondere wenn sie so auf prägnante Kenngrößen reduziert sind, besser und vor allem schneller gemerkt werden. Hier denke man nur an die wachsende Anzahl der Infografiken zu beinahe jedem Thema.

Mit drei zentralen Themen im Bereich der visuellen Kommunikation habe ich mich in den letzten Jahren, auch forschend, näher auseinandergesetzt.

Visualisierung von Wissen

Schreiben ist Silber, doch zeigen ist Gold. Nach diesem Prinzip kann Wissen erfolgreich zwischen Individuen, Gruppen und Organisationen weitergegeben werden, da der Mensch eine angeborene Fähigkeit besitzt, visuelle Repräsentationen effektiv zu verarbeiten (Burkhard 2005, S. 240). Es müssen ja auch nicht immer nur Worte sein: Bilder, Diagramme oder Skizzen können komplexe Zusammenhänge auf einen Blick verdeutlichen.

Zu unterscheiden ist Wissensvisualisierung jedoch von der Informationsvisualisierung. Beim letzteren geht es darum, durch den Einsatz computergestützter Datenverarbeitung große Datenmengen darstellbar und bearbeitbar zu machen. Demgegenüber verfolgt die Visualisierung von Wissen das Ziel, mithilfe bildhafter Repräsentationen den Wissenstransfer zwischen Menschen zu verbessern und den Wissensoutput von Gruppen zu erhöhen (Burkhard 2005, S. 243).

Relevant wird die Wissensvisualisierung durch die Entwicklungen in der Onlinekommunikation. Der Trend zum Bild, das sich erhöhende Tempo bei der Nutzung der Onlineinhalte lassen vor allem lange Texte und komplexe Erklärungen in den Hintergrund treten. Der Mehrwert einer klaren und visualisierten Antwort auf eine eindeutig vom Nutzer gestellten Frage steigt und wird dies meiner Meinung nach auch weiterhin tun. Für den Kommunikator, den Content-Manager oder den Texter im Unternehmen etwa, stellt das neue Ansprüche an Fertigkeiten zur strategischen und visuellen Kommunikation.

Burkhard, Remo Aslak (2005): Towards a Framework and a Model for Knowledge Visualization: Synergies Between Information and Knowledge Visualization. In: Tergan, Sigmar-Olaf; Keller, Tanja (Hg.): Knowledge and Information Visualization. Searching for Synergies. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag GmbH.

Storytelling durch Bilder

Der Mensch erzählt schon immer Geschichten. In ihnen werden Erfahrungen und kulturelle Werte, wie beispielsweise moralisches Handeln, weitergegeben. Im Bildungssektor und auch in unterschiedlichen Feldern von Marketing und Unternehmenskommunikation wurde diese Methode in den letzten Jahren zunehmend diskutiert und eingesetzt. Das Storytelling (übersetzt: Geschichten erzählen) funktioniert als Methode, bei welcher vor allem implizites Wissen in Form von Leitmotiven, Symbolen, Metaphern oder anderen rhetorischen Mitteln weitergegeben wird. Das hat auch einen guten Grund: Geschichten mit einer Handlung lassen sich grundsätzlich besser merken und erinnern als die Darstellung kühler Fakten. Darüber hinaus lassen sich in einer Geschichte nicht nur faktische Inhalte sondern auch Emotionen erzeugen und transportieren. Diese emotionale Lage kann dann mit dem Produkt oder dem Unternehmen verknüpft werden und Handlungsentscheidungen beeinflussen.

Bilder, die Lügen

Ein Problem der immer bildlastiger werdenden öffentlichen Kommunikation ist die Frage nach Wahrheit oder Fake, nach einer wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe von Informationen oder der bewusst missverständlichen oder fehlerhaften Darstellung. Dabei besteht dieses Problem nicht erst seit dem Zeitalter massiver digitaler Kommunikation. Auch früher wurden schon Bildbelege gefälscht oder aus dem Kontext genommen, oftmals um politischen Interessen zu dienen. Für die Presse ist dies, bei allem Bestreben nach Korrektheit und journalistischer Professionalität, ebenso ein schwieriges Thema. Durch den Wechsel von der textlastigen zur vorwiegend visuellen Kommunikation ergeben sich hier auch für die Zukunft weitere Herausforderungen – die ebenso für Unternehmen eine Rolle spielen werden.

Mein Forschungshintergrund zum Thema

  • Analyse von politisch instrumentalisierten Bildfälschungen
  • Filmanalysen zu Motiven und Symbolen, sowie zu Manipulationen und Emotionalisierung durch Filmbeiträge
  • Fachseminaren zu Themen der Bild-und Filmwissenschaft und der Erzähltheorie, Studium Literaturwissenschaft und Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt